Erfahrungsbericht von MSch

 

Längere Zeit haben wir nach dem Unfalltod unserer 19-Jährigen Tochter

Miriam eine Gruppe der „Verwaisten Eltern“ in Köln besucht, die

mittlerweile zu Ende gegangen ist.

 

Was wir den anderen zum Abschied „auf den Weg geben“ wollten, wurde

gefragt...und so habe ich über unsere Zeit in dieser Gruppe nachgedacht...

 

Dazu gekommen sind wir ein halbes Jahr nach Miriams Tod.

Durch das, was Miri und uns passiert ist, waren wir vollkommen hilflos,

konnten überhaupt nicht damit umgehen, hatten keinerlei Perspektive.

 

Wir haben Menschen gesucht und mit Johanna und Claudia gefunden, die

uns Orientierung gegeben haben, die unsere Trauer ertragen konnten und uns haben reden lassen, immer und immer wieder.

 

Sie haben keine Furcht vor unserer Verzweiflung gezeigt, Sie haben

Anregungen gegeben, wie man mit der Angst vor dem Vergessen umgeht,und wir durften lernen, dass es in der Trauer kaum ein Richtig oder Falsch gibt…

 

Als nicht direkt Betroffene waren sie da zum Zuhören, haben geholfen,

Gedanken und Gefühle zurecht zu rücken.

 

Sie haben uns einen geschützten Raum gegeben mit Bildern, Kerzen und

Blumen für unsere Kinder, für unsere Trauer um sie und um alles, was wir

mit ihnen verloren haben.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen ist ihnen klar, dass die Trauer nicht endet,dass sie sich nur verändert.

Und sie wissen, dass sich mit dem Tod eines Kindes ALLES ändert;

es gibt ein Leben „vorher“ und ein ganz anderes „danach“.

 

DAS haben wir erst bitter lernen müssen, auch wenn es jeder von der

ersten Sekunde an gespürt hat.

 

AUCH und GERADE als die meisten anderen längst nicht mehr zuhören

wollten, waren sie da…

 

Dafür sind wir von Herzen dankbar!

 

UND unsere Vorstellung war, bei den „Verwaisten Eltern“ Menschen zu

treffen, die ähnliches erlebt haben und mit denen man deswegen Trauer

teilen kann, ohne lange erklären zu müssen, wie sie sich anfühlt.

 

In diesem Kreis haben wir auch das gefunden, dafür danke ich jedem

einzelnen, den ich in der Gruppe kennengelernt habe.

Wir durften ihre Kinder kennen lernen, sie haben erzählt von Steffi, Philipp,Lina und Theresa - und wir haben zusammen um alle geweint…

Für uns war unschätzbar wichtig, hier dazu zu gehören – zu anderen,

die genau wir wissen und erfahren haben, was viele sonst verdrängen:

Wir müssen alle sterben...

 

Es hat uns oft Mut gemacht, in der Gruppe zu sehen, dass andere auch

schaffen, mit dem Tod eines Kindes zu leben...Irgendwie, jeder auf seine

Art…

 

Gerade in der Zusammensetzung, in der unsere Gruppe in der letzten Zeit war, haben wir viele hilfreiche Anregungen bekommen oder auch

interessante Fragestellungen.

 

Es hat uns gut getan zu reden und zu schreiben, es hat geholfen, Gedanken und Gefühle präziser zu formulieren, sie zu sortieren; ich denke, die anderen haben das auch so empfunden…

 

Je mehr unser privates Umfeld „Normalität“ erwartet hat, um so wichtiger war schon alleine das Wissen, dass irgendwo Menschen sind, die verstehen – und die nicht erwarten, dass die Trauer irgendwann einmal zu Ende sein muss.

 

Was wir den anderen mitgeben möchten…oder auch denjenigen, die noch

nicht wissen, ob sie sich nach dem Tod ihres Kindes einer solchen Gruppe anschließen sollen, ob sie den Schritt wagen wollen?

 

Ich kann es nur auf jeden Fall empfehlen, sich die Hilfe bei den „Verwaisten Eltern“ zu holen, sich auf die Geschichten der anderen einzulassen, sich zu öffnen, zu reden…

 

Uns hat es geholfen zu lernen, mit der Situation umzugehen;

wir sind froh, den Schritt in die Gruppe gemacht zu haben.

 

Gerne würden wir allen sagen, es wird alles wieder gut…

Aber, es wird nicht wieder gut – es wird anders.

 

Und wir sind immer noch dabei zu lernen, wie wir mit dem Tod von Miriam

leben können, irgendwie...

 

Noch einmal herzlichen Dank für die Hilfe!

Marita Scheidel

 

„Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell

unendlichen Leids - und ein Quell unendlichen Trostes.

Marie von Ebner-Eschenbach