Pia Blome-Drees

Pia Blome-Drees
Pia Blome-Drees

 

Wir können dem Leben nicht mehr Tage

aber den Tagen mehr Leben geben.

 

Dies ist für mich ein ganz großer Satz über unser Leben – wir kennen ihn von vielen Todesanzeigen und besonders aus der Hospizarbeit. Er bezieht sich aber einzig auf das Leben des Menschen, der bald von uns gehen muss oder bereits gegangen ist. Doch wo finden wir uns als Angehörige und Hinterbliebene in diesem Satz und somit in diesem Leben? Nehmen wir uns mit
in den Blick, könnte er etwa so lauten:

 

Wir konnten diesem jungen Leben nicht mehr Tage schenken -

wie können wir nun unseren Tagen wieder mehr Leben geben?

Ein Ziel, das in weiter Ferne scheint.
Wenn wir es gemeinsam schaffen, Ihre Tage wieder ein Stück lebenswerter und damit lebendiger zu machen, ist ein erster Schritt gemacht; dann sind wir auf einem guten Weg.

Ich selbst habe in meinem Leben bereits mehrere wichtige Menschen verloren; die Erfahrung als zweieinhalbjährige adoptiert zu werden machte da wohl den Anfang, auch wenn ich die liebevollsten Eltern der Welt und dadurch eine echte Chance bekam. Mit 18 Jahren hielt ich dann die Hand meiner sterbenden Oma; sie hatte sich diesen Zeitpunkt wohl ausgesucht, zu dem ihre Töchter eine Pause nach der Nachtwache machten und ich eben diese 20 Minuten vor dem Schulweg übernahm. 1998 verlor ich dann meine Mutter und zuletzt verstarb 2014 nach nur viermonatiger Krankheit mein Vater.

In allen Fällen des Verlusts habe ich die heilsame Erfahrung gemacht, meinen Schmerz, mein Hadern, meinen Zorn und meine Hilflosigkeit mit anderen Menschen im Gespräch zu teilen. Auch wenn sicher einige die von mir hilflos in Worte gefassten Gefühle nicht nachspüren konnten, wurde doch das Herz leichter durch jede Minute des Zuhörens, jedes kleine Lächeln, jede mitgeweinte Träne oder wortlos aufgelegte Hand.


Trauer ist etwas sehr Persönliches und Einzigartiges – genau wie der Mensch, der uns so sehr fehlt.

Dieses „ich bin nicht allein“- Gefühl durch das von den anderen gelebte „wir lassen Dich nicht allein“ möchte ich gern an Sie weiter geben. Meine Ausbildung in der Notfallseelsorge sowie meine Tätigkeit als freie Trauerrednerin sind neben meinem Engagement an dieser Stelle Produkte dieser persönlichen Lebenserfahrung.

Ich selbst bin verheiratet und habe drei Söhne.